Handchirurgie

Die Hand stellt flächenmäßig zwar nur einen relativ kleinen Teil unseres Körpers dar; sie birgt jedoch eine Vielzahl hochentwickelter Funktionen, die dem Menschen unvergleichliche handwerkliche, gestalterische, künstlerische und emotionale Möglichkeiten „an die Hand“ gibt. 

Diese Funktionalität wird durch ein hervorragendes Zusammenspiel der anatomischen Strukturen wie Knochen und Gelenken, Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäßen unterstützt. Die Hände agieren zumeist ungeschützt. Ähnlich wie das Gesicht sind sie nur in wenigen Ausnahmesituationen bekleidet, z.B. wenn wir im Winter Handschuhe tragen.

Von Bedeutung ist außerdem die Lokalisation der Hände am Ende der Arme, wodurch besondere Mobilität, Distanz vom übrigen Körper und frühzeitiges Erkennen und Abwehren bestimmter Gefahren ermöglicht wird. Gleichzeitig ist die Hand aber auch stark exponiert und besonders verletzlich.

Die Verbindung zwischen der Plastischen Chirurgie und der Handchirurgie ist maßgeblich in der Operationstechnik, d.h. dem gewebeschonenden Vorgehen, der sogenannten atraumatischen Operationstechnik zu sehen. Dieser Gesichtspunkt spielt wegen der dicht beinanderliegenden Feinstrukturen, wie Sehnen, Nerven und Blutgefäßen eine wesentlich stärkere Rolle als im Bereich anderer Körperregionen.

 

Arthrose -degenerative Gelenkerkrankungen

Im Bereich der Handchirurgie werden innovative Therapieformen zur Schmerzreduktion, zur Hemmung des weiteren Krankheitsverlaufs von Prof. Dr. Steinsträßer eingesetzt.

Daumensattelgelenk (Rhizarthrose)

Die Ausprägung der Schmerzen bei der Rhizarthrose ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Die Beschwerden betreffend liegt eine erstaunliche individuelle Variabilität vor. Es gibt Patienten, die trotz stärkster Arthrose im Röntgenbild kaum einen Leidensdruck verspüren und umgekehrt. Die Schmerzen am Daumen sind meist belastungsabhängig und oft wetterabhängig (Wetterfühligkeit). Oft tritt nach starker Beanspruchung des Daumens eine sogenannte Aktivierung der Rhizarthrose auf, die sich durch Schwellung, Zunahme der Schmerzen und manchmal auch durch eine Rötung äußert.

Durch die Minderbenutzung des Daumens entsteht ein Schwund der Daumenmuskulatur, die zur Schwäche führt. Die Umbauvorgänge betreffen nicht nur die Muskulatur, sondern sind auch an Knochen und Bändern zu beobachten. Die Knochendichte nimmt ab, das Gelenk wird instabil und der 1. Mittelhandknochen rutscht speichenwärts. Letzteres nennt man Subluxation, was im Rahmen einer fortgeschrittenen Rhizarthrose häufig anzutreffen ist.

Was kann ich gegen die Schmerzen tun?

Die konservative Behandlung einer Daumensattelgelenksarthrose besteht aus der Ruhigstellung des Gelenkes und Hemmung der Entzündung (Entzündung ohne Bakterien!). Es werden Salbenverbände (z. B. Voltarensalbe) angelegt und sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) rezeptiert. Auch kann eine Injektion mit entzündungshemmenden Medikamenten (Kortison, NSAR) in das Daumensattelgelenk erfolgen. Die Ruhigstellung erreicht man mit speziellen Schienen, die durch Klettverschluss fixiert werden. Sie stellen das Daumengrund- und Sattelgelenk ruhig. Die Schienen werden zeitweise (nachts oder bei Belastung) getragen.

Durchtrennung der schmerzleitenden Nervenfasern (Denervation)

Bei Röntgenologisch noch nicht zu stark fortgeschrittener Rhizarthrose besteht die Möglichkeit die Schmerzfortleitung zu blockieren, indem die schmerzweiterleitenden Nervenfasern zerstört werden. Die Op kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Vor einer solchen Operation sollten die entsprechenden Nerven mit einem Betäubungsmittel probeblockiert werden. Nur wenn dies mit Erfolg gelingt macht die Op Sinn. Eine dauerhafte schmerzlinderung kann jedoch nicht garantiert werden. Jedoch ist dieser Eingriff eine gute Alternative bei Rhizarthrose-Patienten mit vielen Nebenerkrankungen und mit Angst vor dem Gelenkersatz

Welche Operationsverfahren gibt es bei fortgeschrittener Arthrose ?

Bei der Rhizarthrose ist die Anzahl beschriebener operativer Verfahren für den Gelenkersatz groß. Prinzipiell kann unterschieden werden zwischen einer Operation mit und ohne Fremdmaterial.
Resektionsarthroplastik

Bei der Resektionsarthroplastik handelt es sich um einen Gelenkersatz mit Eigengewebe (Sehne) bei der Rhizarthrose. Es sind viele Verfahren beschrieben worden. Im Folgenden wird auf den Ersatz mit der FCR-Sehne eingegangen.

Die Resektionsarthroplastik kann, ambulant (abhängig von Nebenerkrankungen) aber auch stationär durchgeführt werden. Eine Plexusanästhesie (Armbetäubung in der Achselhöhle) wird häufig angewendet. Aber es gibt auch die Möglichkeit der sogenannten iv. Regionalanästhesie in Kombination mit einem Dämmerschlaf.

Bei der Rhizarthrose ist die Gelenkfläche zwischen dem großen Vieleckbein und dem ersten Mittelhandknochen geschädigt. Dieses Gelenk gilt es bei der Operation zu entfernen und neuzubilden. Zunächst wird über einen ca. 3-4 cm langen Schnitt an der streckseitigen Daumenbasis das große Vieleckbein entfernt. Dabei müssen die Bänder, der streckseitige Hautempfindungsast des Speichennerven und die in der Tiefe liegende Spendersehne geschont werden. Der entstandene Defekt sollte nun mit der Spendersehne vom Unterarm (Flexor carpi radialis) gefüllt werden. So entsteht zudem eine gute Pufferzone für die Basis des ersten Mittelhandknochens. Außerdem wird letzterer durch eine Umschlingung mit der genannten Sehne über ein Bohrloch fixiert. Anschließend wird diese Sehne verknotet und dieser Knoten mit zusätzlichen Nähten stabilisiert. Der Knoten füllt, wie oben beschrieben die entstandene Lücke. Es sollte allerdings noch erwähnt werden, dass in Studien auch gute Ergebnisse mit der bloßen Entfernung des großen Vieleckbeins erzielt werden konnten.
Künstliches Gelenks (Daumensattelgelenksporthese)

Weitere Verfahren beinhalten das Einsetzen von künstlichen Sattelgelenksprothesen oder eines sogenannten Spacers (Silikonspacer). Bezüglich der Ergebnisse des Gelenkersatzes mittels Sattelgelenksprothesen (noch in der experimentellen Phase) konnten im Vergleich zur Arthroplastik noch keine entscheidende Vorteile nachgewiesen werden. Daher empfiehlt Prof. Dr. Steinsträßer bei der Rhizarthrose die Resektionsarthroplastik. Beim Silikon-Spacer haben Implantatabrieb oder Implantatbruch dazu geführt, das die Indikation zu diesem Gelenkersatz zurückhaltend gestellt wird. Auch können diese Silikonspacer verrutschen (keine Stabilisierung wie bei der Resektionsarthroplastik) oder zu einer Schleimhautreizung/ Entzündung (=Synovitis) führen.

Morbus Dupuytren

Die Dupuytren-Krankheit (Morbus Dupuytren, Dupuytrensche Kontraktur, manchmal auch Dupuytren’sche Kontraktur geschrieben) ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche. Dabei bildet sich – meist im beweglichen, weichen Bereich in der Nähe der Fingergrundgelenke – ein gutartiger Tumor, der im Lauf der Zeit die Streckung der befallenen Finger behindert. Liegt der Tumor in Bereichen der Hand, die beim Gebrauch wenig bewegt werden – zum Beispiel im Hohlhandzentrum über der sog. Palmaraponeurose – ist er weniger kritisch und führt i. a. nicht zur Fingerbeugung.

Die Ursachen der Dupuytren-Krankheit sind weitgehend unbekannt

Seit dem Jahr 1831, in dem Baron G. Dupuytren (1777-1835) die nach ihm benannte Erkrankung in Paris vorstellte, sind über 180 Jahre vergangen, die auslösende Ursache konnte jedoch bis heute nicht gefunden werden. Die Ursache des Morbus Dupuytren ist vermutlich eine erbliche Veranlagung, kombiniert mit einem Auslöser, zum Beispiel Verletzungen.

Der Verlauf der Dupuytren-Krankheit

Die Dupuytren-Krankheit zählt zu den Fibromatosen: Charakteristisch für die Erkrankung ist das Auftreten von Knoten und Strängen an der Innenfläche der Hand Krankheitsbilder. Bilder von ersten Anzeichen der Dupuytren-Krankheit finden Sie unter Stadien und Therapien. Meist sind der vierte und fünfte Finger (Ringfinger und kleiner Finger) betroffen. Ein schubweiser, über mehrere Jahre dauernder Krankheitsverlauf ist typisch. Die wachsenden Stränge können schließlich dazu führen, dass der Finger nicht mehr gestreckt werden kann (Einziehungen mit Versteifung, Streckdefizit, Beugekontraktur). Betroffen sind vor allem die Fingergrund- und Mittelgelenke. In diesem Stadium spricht man dann von der Dupuytrenschen Kontraktur oder Kontraktion. Weil dies ein bereits beträchtlich fortgeschrittenes Stadium ist, wird auch von der Dupuytren-Krankheit gesprochen, die frühere Stadien mit einschließt. Die Dupuytren-Krankheit (Morbus Dupuytren) tritt meist im mittleren Lebensalter auf, bei Männern im Durchschnitt etwa 10 Jahre früher als bei Frauen. Aufgrund einer belgischen Studie schätzt man, dass etwa ein Drittel der über 50-Jährigen (und hier Männer zwei- bis achtmal häufiger als Frauen) und 40 % der 80-Jährigen in der Bevölkerung (in diesem Alter Männer und Frauen dann etwa gleich häufig) betroffen sind, d.h. Symptome der Krankheit haben. Wichtig: Nicht alle Patienten, die Symptome der Dupuytrenschen Krankheit haben, müssen behandelt werden. Im höheren Alter wachsen die Knoten meist sehr langsam und stellen bei vielen Patienten keine größere Behinderung dar.

In Deutschland schätzt man üblicherweise die Gesamtzahl der Dupuytren-Patienten auf 1,3 – 1,9 Millionen. Es fehlen jedoch systematische Untersuchungen, wie sie etwa in Belgien und Holland stattgefunden haben. Wenn die belgischen und holländischen Ergebnisse übertragbar sind, liegt in Deutschland die Zahl der Menschen mit Dupuytrensymptomen weit höher, wahrscheinlich eher bei 8-10 Millionen.

Verursacht die Dupuytren-Krankheit Schmerzen?

In den meisten Fällen ist die Dupuytren-Krankheit unbequem, manchmal behindernd, aber typischerweise schmerzfrei. Falls jedoch die Knoten oder Stränge Nerven beeinflussen, kann dies durchaus schmerzhaft sein.Die Ledderhose-Krankheit ist öfter schmerzhaft, weil die Knoten in der Fußsohle – wenn sie erst einmal groß genug sind – beim Gehen unter Druck gesetzt werden und dabei eher auf Nerven drücken können.

Wer muss behandelt werden?

Auch wenn der oben beschriebene Verlauf typisch ist, bei dem erst Knoten, dann Stränge auftreten und allmählich der Finger nicht mehr gestreckt werden kann, bedeutet das nicht, dass die Krankheit bei jedem Patienten so weit fortschreitet. Der individuelle Verlauf ist von Patient zu Patient sehr verschieden und kaum vorhersagbar. Selbst beim gleichen Patienten kann sich ein Knoten an einem Finger über Jahrzehnte nicht zur Kontraktur führen und ein anderer Finger innerhalb eines Jahres gekrümmt werden.

Insgesamt benötigen die meisten Patienten, die Symptome der Dupuytren-Krankheit zeigen, keine Behandlung. In Deutschland werden pro Jahr ca. 40.000 Patienten behandelt. Nimmt man eine Krankheitsdauer von insgesamt ca. 30 Jahren an, dann bedeutet das, dass im Laufe ihres Lebens etwa 1,2 Millionen deutsche Patienten behandelt werden (Mehrfachbehandlungen verringern diese Zahl etwas). Wenn man davon ausgeht, dass ca. 8-10 Millionen Menschen in Deutschland – eventuell auch nur leichte – Symptome der Dupuytren-Krankheit haben, heißt das, dass nur einer von 7 Menschen mit Dupuytren-Symptomen im Laufe seines Lebens behandelt werden muss.

Wer muss oder soll nun behandelt werden?

Wenn einer oder mehrere Finger gekrümmt sind und zu einer störenden Behinderung führen, kann durch einen geeigneten Eingriff die Streckung der Finger meistens wieder erreicht werden. Es muss aber nicht unbedingt gewartet werden, bis der Finger gekrümmt ist. Wenn neue Knoten bestrahlt werden, kann der Krankheitsverlauf oft aufgehalten oder stark verlangsamt werden. Bestrahlen ist aber nicht bei jedem Patienten nötig oder sinnvoll. Kandidaten für eine Bestrahlung sind vor allem Patienten, die an aggressivem Dupuytren leiden und schnell wachsende Knoten und Stränge zeigen. Das kann auch nach einer vorhergegangenen Operation der Fall sein. Eine weitere Indikation können Schmerzen sein, die sich u. U. durch Bestrahlung lindern lassen. Das sollte nicht selbst entschieden werden, sondern nach Konsultation von Prof. Dr. Steinsträßer.

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom ist ebenfalls eine häufige Ursache für Handgelenkschmerzen. Es wird dabei ein wichtiger Armnerv (Nervus medianus) im sogenannten Karpaltunnel an der Beugeseite des Handgelenks eingeengt (komprimiert). Die Nervenkompression verursacht neben Schmerzen auch Missempfindungen bis bin zu Taubheitsgefühlen im Arm und in der Hand im Versorgungsgebiet des Nervs. Die Beschwerden treten vor allem nachts auf.

Der Karpaltunnel ist eine Engstelle im Bereich der Handwurzelknochen und eines straffen Bandes (Retinaculum flexorum), das sich wie eine Brücke über die Knochen spannt. Grund für die Nervenkompression an dieser Stelle kann etwa eine Schwellung des Bandes oder des Gewebes im Karpaltunnel aufgrund einer chronischen Entzündung bei rheumatoider Arthritis oder einem Knochenbruch sein. Aber auch in der Schwangerschaft, bei Diabtetes mellitus, Gicht oder einer Unterfunktion der Schilddrüse sind Schmerzen im Handgelenk oft auf ein Karpaltunnelsyndrom zurückzuführen.

Therapie des Karpaltunnelsyndrom

Prof. Steinsträßer operiert das Karpaltunnelsyndrom minimal invasiv in Lokaler Betäubung. Der kurze Eingriff wird ambulant durchgeführt. Ein Ruhigstellung ist nach der Op nicht erforderlich.

Springender Finger (Tendovagintis stenosans)

Ein Schnellender Finger (auch Digitus saltans oder Tendovaginitis stenosansgenannt) ist eine meist schmerzhafte Gleitstörung der Beugesehnen der Hand. Am häufigsten treten die Symptome bei Frauen mittleren Alters auf. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein. Die Ursachen sind unklar.

Der Schnellende Finger ist eine meist schmerzhafte Gleitstörung der Beugesehnen der Hand innenseitig über dem Grundgelenk. Hier gleiten die oberflächliche und tiefe Beugesehne unter dem sogenannten Ringband, welches die Sehnen bei Anspannung nahe am Knochen hält. Durch Verdickung der Sehnen und des Sehnengleitgewebes kommt es zur Einengung unter dem Ringband.

Oft bildet sich in Ruhe, meist nachts in entspannter Beugestellung in der Sehne unter dem Ringband eine sanduhrförmige Schnürfurche aus. Dies bewirkt, dass die Sehne an der Stelle blockiert wird und der entsprechende Finger nur mit aller Kraft ruckartig wieder gestreckt werden kann (typisches Schnapphänomen). Es können eine Sehne, mehrere gleichzeitig oder mehrere in zeitlichem Abstand betroffen sein.

Am häufigsten treten die Symptome bei Frauen mittleren Alters auf. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein, hier meist am Daumen mit Fixation des Endgelenkes in Beugestellung.

Ursachen des Schnellenden Fingers

Die Ursachen sind unklar. Es werden mehrere Möglichkeiten erwogen:

  • Übermäßige mechanische Beanspruchung wie z.B. wiederholtes festes Zugreifen
  • Anlagebedingte Vergröberung der Handkonturen mit zunehmendem Alter und damit schnellere Zunahme des Sehnenquerschnitts im Verhältnis zum Ringband
  • Verdickung der Sehnen im Rahmen vonrheumatischen Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
Diagnostik beim Schnellenden Finger

Die Diagnose wird anhand der typischen Symptome gestellt. Meist zeigt sich eine Schmerzhaftigkeit über dem entsprechenden Ringband beugeseitig in Höhe des Fingergrundgelenkes. Der Schmerz lässt sich durch Druck provozieren. Oft ist auch in diesem Bereich eine Verhärtung tastbar. In fortgeschrittenem Stadium ist die Ausbildung eines sogenannten Schnapphänomens möglich. Hierbei kommt es dazu, dass der Finger nur mit Hilfe der anderen Hand gestreckt werden kann.

Besondere apparative diagnostische Maßnahmen wie z.B. Röntgenaufnahmen sind normalerweise nicht erforderlich

Therapie des Schnellenden Fingers

Ziel ist es ein schmerzloses Gleiten der Sehne zu ermöglichen und das Schnapphänomen abzustellen. Es stehen „nicht operative“ (konservative) und „operative“ Möglichkeiten zur Verfügung. Als konservative Maßnahmen kommen vorübergehende Schonung (ggf. Gipsruhigstellung), entzündungshemmende Medikamente (Antiphlogistika wie Diclofenac, Indometacin), Kortison als lokale Injektion und lokale Kühlung in Betracht. Diese Maßnahmen führen jedoch häufig nicht zu dauerhaftem Erfolg, insbesondere, wenn bereits das Schnapphänomen deutlich ausgeprägt ist.

Ist eine Operation nötig, wird sie gewöhnlich in Lokalanästhesie ambulant durchgeführt. Hierzu wird nach Betäubung ein ca. 1 bis 1,5 cm langer Schnitt im Verlauf der queren Hohlhand-Beugefalte durchgeführt und unter Schonung der Gefäß-Nervenstrukturen parallel der entsprechenden Sehne das einengende Ringband über der Sehne mittig durchtrennt und ggf. teilweise entfernt. Anschließend werden die oberflächliche und tiefe Beugesehne aus der OP-Wunde herausgezogen, um die wiederhergestellte Gleitfahigkeit zu überprüfen. Eventuelle andere Veränderungen der Sehne werden dadurch zusätzlich ausgeschlossen. Anschließend wird die Haut meist mit einer Naht verschlossen und ein Kompressionsverband angelegt. Wesentliche Schmerzen treten nach Abklingen der Betäubung für gewöhnlich nicht auf, ggf. kann ein leichtes Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) verabreicht werden.

Risiken und Komplikationen bei einer Operation des Schnellenden Fingers

Komplikationen wie eine Wundinfektion, Verletzung von Gefäß- oder Nervenstrukturen sowie die Entwicklung schmerzhafter Narben sind sehr selten.

Nachbehandlung von Tendovaginitis stenosans

Einen Tag nach der Operation wird der Kompressionsverband entfernt und gegen einen einfachen Pflasterverband ausgetauscht. Es soll frühzeitig nach der Operation mit aktiven Bewegungsübungen der Finger begonnen werden, um ein Verkleben der Sehnen zu vermeiden. Diese können nach Anleitung eigenständig durchgeführt werden. Nach zwischenzeitlich 1 bis 2 Wundkontrollen kann der Hautfaden nach 12 bis 14 Tagen entfernt werden. Ein Verband oder Pflaster ist dann nicht mehr nötig. Die Hand kann dann zunehmend wieder voll belastet werden. Lediglich Extrembelastungen wie z.B. Klettern und Zugreifen mit maximaler Kraft sollten für ca. weitere zwei Wochen vermieden werden.

Prognose beim Schnellenden Finger

Meist führt die konservative Therapie nicht zum dauerhaften Erfolg. Nach operativer Ringbandspaltung ist die Prognose jedoch sehr gut. Die Narbe in der Hohlhandfalte ist nach mehreren Wochen bis Monaten eigentlich nicht mehr zu sehen und die Funktion wieder völlig hergestellt.

 

Rheuma / Chronische Polyarthritis

„Rheuma“ ist ein Sammelbegriff für alle möglichen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Hier meinen wir ausschließlich die Beteiligung der Hand und des Handgelenkes bei der Chronischen Polyarthritis und verwandter Erkrankungen wie der Psoriasisarthritis, der Gelenkbeteiligung beim Morbus Bechterew und bei bestimmten Kollagenosen wie der Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes), der Sklerodermie und anderer. Da es sich bei den genannten Erkrankungen um Systemerkrankungen handelt, d.h. Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen, kann die Behandlung der Hand immer nur ein Teilaspekt darstellen und muss immer im Zusammenhang mit der Behandlung der gesamten Erkrankung gesehen werden. Aus diesem Grunde muss der Handchirurg, der rheumatische Handerkrankungen behandelt auch in der Rheumatologie bewandert sein.

Häufigkeit

Etwa 1–4% (je nach Statistik und Krankheitseinschluss) der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland sind von entzündlich rheumatischen Erkrankungen befallen. Das wären etwa 800.000 bis 3,2 Millionen Personen in Deutschland. Die weitaus häufigste Erkrankung ist dabei die Chronische Polyarthritis (landläufig das „entzündliche Gelenkrheuma“). Bei der chronischen Polyarthritis sind in den ersten drei Jahren zu 90% die Handgelenke, zu 86% die Fingergrundgelenke und zu 75% die Fingermittelgelenke betroffen. Damit stehen die Probleme der Hand zahlenmäßig bei weitem im Vordergrund.

Ursachen

Wir beschränken uns hier auf die chronische Polyarthritis. Die Ursachen sind nach wie vor nicht geklärt, obwohl immer mehr Puzzlesteine entdeckt werden, besonders seit dem Aufschwung der Genforschung. Stellen Sie sich eine große Turnhalle vor, in der ein gigantisches Puzzle zusammengelegt werden soll. In den verschiedensten Ecken dieser Halle sind hochqualifizierte Forschergruppen an der Arbeit. Viele handteller- bis tischgroße Puzzleteile sind bereits gefunden und zusammengesetzt worden und haben zu einzelnen Erkenntnissen über das Aussehen des gesamten Puzzles geführt und zu einzelnen Ansatzpunkten für eine medikamentöse Behandlung. Jedes handgroße Puzzleteil wird in den Medien für Monate als der große Erfolg gefeiert; aber was auf dem Boden der Turnhalle einmal als Gesamtbild zu sehen sein wird, weiß bis heute kein Mensch. Wir wissen, dass die Erkrankung nicht eine einzelne Ursache hat. Eine familiäre Neigung zur Erkrankung ist sicher gegeben, aber so wie jeder Rothaarige nicht automatisch Sonnenbrand hat, so hat nicht jeder Mensch, der dazu neigt, auch eine chronische Polyarthritis. Es braucht dazu noch einen Auslöser. Wir wissen, dass körperliche und psychische Stresssituationen (Schwangerschaft, berufliche oder familiäre Belastungen, andere Krankheiten mit Schwächung der Körperabwehr, ungesunde Lebensführung etc.) einen solchen Auslöser darstellen können. Auch Umwelteinflüsse scheinen eine Bedeutung zu haben. Ebenso spielen in vielen Fällen bakterielle oder virale Erreger oder deren Stoffwechselprodukte bzw. deren Zellbestandteile eine Rolle bei der Initialzündung zur Erkrankung. Letztlich mündet alles in der fatalen Situation, dass körpereigene Abwehrstoffe, die normalerweise zur Abwehr eingedrungener Bakterien gebildet werden, sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Ort dieser Meuterei der körpereigenen Abwehrkräfte ist die Gelenksinnenhaut, die Gleithäute der Sehnen und Innenhäute von Schleimbeuteln, in denen sich eine massive Entzündung bildet mit Schwellung, Gelenkwasserbildung, Gewebewucherung und letztlich Zerstörung von Gelenkknorpel, angrenzendem Knochen, Gelenkkapseln, Bändern und Sehnen.

Krankheitserscheinungen

Die vielen verschiedenen Ausprägungsformen können hier nur schlaglichtartig beschrieben werden. Die obengenannte Entzündung führt zu einer Ausweitung und Überdehnung der Gelenkkapseln und Gelenkführungsbänder. Dieses wiederum führt zur Lockerung der Gelenke mit charakteristischen Fehlstellungen. Das Handgelenk verlagert sich dabei beuge- und ellenwärts und dreht sich gleichzeitig daumenwärts. Die Fingergrundgelenke rutschen ebenfalls beugeseitig und zum Kleinfinger hin ab. Die Fingermittelgelenke können sich je nach Ausprägung der Entzündung in die Überstreckung (Schwanenhalsdeformität) oder die Beugekontraktur (Knopflochdeformität) verschieben. So entstehen vielfältige Verformungen mit zunehmenden Funktionseinschränkungen. Nach monate- und jahrelangem unbehandelten oder therapieresistenten Verlauf stehen dann die Schäden an den Sehnen oder am Gelenkknorpel und Knochen mit der nachfolgenden Verschleißerkrankung (Sekundärarthrose) im Vordergrund. Der Gelenkverschleiß führt zu Schmerzen beim Gebrauch, zur Einsteifung oder umgekehrt zur völligen Lockerung mit Auseinanderfallen des Gelenkes und somit ebenso zur Gebrauchsunfähigkeit.

Behandlung

Die Operation ist nie die erste Maßnahme. Grundlage der Behandlung ist die konsequente medikamentöse Therapie. Bei den Operationen unterscheiden wir zwischen vorbeugend und wiederherstellend. Die vorbeugende Operation besteht in der Entfernung der entzündeten Gelenksinnenhaut (Synovialektomie) bzw. in der Entfernung der entzündeten Sehnenscheidengleithaut (Tenosynovialektomie). Häufig sind aber bereits Schäden wie Strecksehnenrisse am Handgelenk eingetreten, sodass der Eingriff einen gemischt vorbeugend-wiederherstellenden Charakter erhält. Bei den wiederherstellenden Eingriffen sind zum Einen die Nähte von Sehnen, oder der Ersatz von Sehnenfunktionen durch Verlagerung von Nachbarsehnen und die Rückverlagerung und Raffung von Bändern und Kapseln zu nennen, zum Anderen die Eingriffe an den Gelenken.

Am Handgelenk steht bei völlig zerstörtem Gelenk die Versteifung (Arthrodese) und das Kunstgelenk (Endoprothese) zur Verfügung. In günstig gelagerten Fällen ist auch eine teilweise Versteifung nur im Bereich zwischen Speiche und Mondbein möglich, sodass eine Restbeweglichkeit erhalten bleibt. Bei jungendlichen Rheumapa-
tienten oder sehr jungen Erwachsenen kann auch eine Neuformung der Gelenkes (Resektionsarthroplastik) versucht werden. An den Fingergrundgelenken ist der Einsatz der Silastik SWANSON Prothesen immer noch Standard, wenn die Gelenke völlig zerstört, luxiert und schmerzhaft sind. Einige Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Kunstgelenke an den Fingern sind für den allgemeinen Gebrauch immer noch nicht spruchreif.

An den Fingermittelgelenken und am Daumengrundgelenk ist die Arthrodese die sicherste Möglichkeit einen schmerzfrei und stabil belastbaren Finger zu erhalten; in Ausnahmefällen ist am Mittel- und Ringfinger auch der Einsatz der SWANSON Prothesen möglich.

Entscheidend für den Operationserfolg ist eine individuelle Planung des Eingriffes je nach den Gebrauchseinschränkungen und eine konsequente Nachbehandlung bei einer rheumatologisch-handchirurgisch versierten Krankengymnastin oder Ergotherapeutin.

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